Einkehr

Dichter: Wilhelm Müller

Komponist: Karl Friedrich Zöllner

Einkehr


1. Im Krug zum grünen Kranze, da kehrt’ ich durstig ein,

da saß ein Wandrer drinnen am Tisch beim kühlen Wein,

da saß ein Wandrer drinnen am Tisch beim kühlen Wein.

2. Ein Glas war eingegossen, das wurde nimmer leer;

sein Haupt ruht auf dem Bündel, als wärs ihm viel zu schwer,

sein Haupt ruht auf dem Bündel, als wärs ihm viel zu schwer.

3. Ich tät mich zu ihm setzten, ch sah ihm ins Gesicht,

das schien mir gar befreundet, und dennoch kannt’ ich’s nicht,

das schien mit gra befreundet, und dennoch kannt’ ich’s nicht.

4. Da sah auch mir ins Auge der fremde Wandersmann

und füllte meinen Becher und sah mich wieder an.

Hei, was die Becher klangen!

Wie brannte Hand in Hand! Wie brannte Hand in Hand!

„Es lebe die Liebste deine, Herzbruder, Herzbruder, im Vaterland!“

Der Lindenbaum

Dichter: Wilhelm Müller

Komponist: Volksweise von Fr. Schubert

Der Lindenbaum


1. Am Brunnen vor dem Tore da steht ein Lindenbaum,

ich träumt’ in seinem Schatten so manchen süßen Traum;

ich schnitt in seine Rinde so manches liebe Wort;

es zog in Freud’ und Leide zu ihm mich immer fort,

zu ihm mich immer fort.

2. Ich mußt’ auch heute wandern vorbei in tiefer Nacht,

da hab ich noch im Dunkel die Augen zugemacht;

und seine Zweige rauschten, als riefen sie mir zu:

Komm her zu mir, Geselle, hier find’st du deine Ruh’,

hier find’st du deine Ruh’.

3. Die kalten Winde bliesen mir grad’ ins Angesicht,

der Hut flog mir vom Kopfe, ich wendete mich nicht.

Nun bin ich manche Stunde entfernt von jenem Ort,

und immer hör ich’s rauschen: Du fändest Ruhe dort,

du fändest Ruhe dort